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„Moosland“: Unter Islands weitem Himmel

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Buch Literatur

Von Birgit Koß – Die Hörfunkredakteurin und Autorin Katrin Zipse hat bisher überwiegend Kinder- und Jugendbücher geschrieben. Mit ihrem neuen Roman „Moosland“ begibt sie sich in die Erwachsenenwelt. Ihm liegt eine wahre historische Begebenheit zu Grunde, die sie im Nachwort erläutert: „Im Juni 1949 bestiegen knapp dreihundert junge Frauen in Hamburg den Passagierdampfer „Esja“ und nahmen Kurs auf Reykjavik. Sie verließen das kriegszerstörte Deutschland und heuerten als Landarbeiterinnen oder Haushaltshilfen in Island an. Damit folgten sie einem Aufruf der isländischen Bauernpartei“, um den Mangel an heiratswilligen Frauen auf dem Lande zu beheben. Die Autorin erzählt die fiktive Geschichte von Elsa und Gerda an einem fiktiven Ort auf Island, um dem Schicksal der jungen Frauen ein Gesicht zu geben.

Die junge Elsa landet auf einem völlig abgelegenen Bauernhof, wo eine Familie mit zwei erwachsenen Söhnen und einem Knecht lebt. Sie ist traumatisiert vom Kriegserleben und trauert um ihre Familie und eine gute Freundin, die erst kürzlich verstoben ist. Seitdem ist sie quasi verstummt. Da sie sich auf isländisch nicht verständigen kann, verfällt sie lange in totales Schweigen.

Katrin Zipse Moosland
Cover: Dumont Buchverlag

Die Sprache des Schweigens

Das Leben der Familie wird geprägt von der Natur. Im Sommer werden die Schafe auf die Weiden in den Bergen getrieben, Heu für den Winter geerntet, der Garten bestellt und Vorräte angelegt. Elsa folgt der Bäuerin und versucht, ihr soweit es geht zur Hand zu gehen, schottet sich ansonsten aber ab. Nach kurzer Zeit ist ihr klar geworden, dass sie von hier allein nicht fortkommen kann. Also ergibt Elsa sich in ihr Schicksal.

In kurzer knapper Form beschreibt die Autorin das Sozialgefüge auf dem Bauernhof und Elsas Alltag. Sie lernt Kochen, Kühe melken, die Gartenarbeit und Reiten. Die beide Söhne fangen an, sich sehr vorsichtig um Elsa zu bemühen, aber sie verweigert zunächst einen engeren Kontakt. Doch es treten Spannung zwischen den Brüdern auf, aus Eifersucht. Außerdem lastet ein Geheimnis über der Familie.

Auf einem zufällig entdeckten Foto sieht Elsa ein junges Mädchen, dass ganz offensichtlich zur Familie gehört, und will unbedingt wissen, was passiert ist. Sie taucht immer weiter in die Familiengeschichte ein und muss schließlich eine Entscheidung fällen.

Gerda ist auf einem Hof eines Witwers mit zwei Kindern und der Großmutter gelandet und fügt sich schnell in das Geschehen dort ein, auch wenn sie extrem hart arbeiten muss, was einfach den Lebensumständen auf der Insel geschuldet ist. Sie schreibt Elsa Briefe und berichtet schließlich glücklich, dass sie ihren Bauern heiraten wird.

Katrin Zipse erzählt fast distanziert die Geschichte der beiden Mädchen und die der isländischen Familien in einer kurzen, verknappten Sprache und fängt damit treffend die Atmosphäre dieses harten, entbehrungsreichen Lebens ein. Viel Raum gibt sie der Natur und den zarten Zwischentönen in der Entwicklung der Beziehungen ihrer Protagonisten. Der größte Verdienst dieses Romas ist es, ein Stück fast vergessener Nachkriegsgeschichte einfühlsam lebendig werden zu lassen.

Bei Verwendung des Textes bitte Quelle angeben bzw. verlinken.

Katrin ZipseMoosland
Dumont Buchverlag,
Köln 2026
bei Thalia
bei amazon

Das Wichtigste in Kürze:

  • Vergessene Nachkriegsgeschichte in Island
  • Karge Natur als seelischer Resonanzraum
  • Zarte Beziehungen und ein Familiengeheimnis

‘Moosland’: Under Iceland’s vast sky

Radio editor and author Katrin Zipse, previously known mainly for children’s and young-adult books, turns to a nearly forgotten chapter of post-war history in her new novel Moosland. In June 1949, almost three hundred young women left war-ravaged Germany for Iceland, where they were to work as farmhands or domestic helpers.

Zipse follows the fictional characters Elsa and Gerda. Elsa arrives at a remote farm inhabited by a family with two adult sons and a farmhand. Traumatised by the war and mourning her family and a close friend, she has almost stopped speaking. Unable to communicate in Icelandic, she retreats even further into silence. Life on the farm is governed by nature, labour and the seasons: sheep are driven to mountain pastures, hay is harvested and supplies are stored for winter.

As Elsa learns cooking, milking, gardening and riding, tensions grow between the brothers. A photograph makes her suspect that the family is concealing a secret. Gerda, by contrast, settles more quickly on the farm of a widower and later writes to Elsa that she will marry her farmer.

In concise, almost detached prose, Zipse evokes a harsh and deprived existence. Nature and the delicate shifts in the characters’ relationships carry the novel, making this forgotten history quietly vivid.

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