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Koschere Streetfood Festival: Wo Kultur durch den Magen geht

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Interview

Zwischen Falafel, Musik und Gesprächen entsteht auf dem Hof der Neuen Synagoge in Berlin ein Ort der Begegnung – und ein Vorgeschmack auf die Jüdischen Kulturtage Berlin im November. Zum fünfjährigen Jubiläum blickt Intendant Avi Toubiana auf eine Erfolgsgeschichte zurück. Von Hanna Falkenstein.

Feuilletonscout: Das Koschere Streetfood Festival feiert in diesem Jahr sein fünfjähriges Bestehen. Herzlichen Glückwunsch! Schaut man auf die Jüdischen Kulturtage, fallen immer wieder neue Konzepte und für Berlin neue Namen ins Auge. Das Koschere Streetfood Festival spiegelt mit dem Zusammenspiel aus Bühnenprogramm und Food-Ständen eine bemerkenswerte Kontinuität wider. War das von Anfang an so geplant?
Avi Toubiana: Ja, das war von Anfang an die Idee. Natürlich wünscht man sich immer, noch mehr machen zu können. Dafür müssen allerdings auch die finanziellen Möglichkeiten vorhanden sein. Trotzdem versuchen wir jedes Jahr, das Festival weiterzuentwickeln und das Programm auszubauen – mit mehr Bühnen-Acts und zusätzlichen Angeboten für die Besucherinnen und Besucher.

Koschere Streetfood Festival Avi Toubiana
Avi Toubiana (c) Ronald Klein

Feuilletonscout: Mit welchen Erwartungen sind Sie damals gestartet – und was hat Sie rückblickend am meisten überrascht?
Avi Toubiana: Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass das Festival von Anfang an so erfolgreich wird. Dass wir bereits bei der ersten Ausgabe mehr als 10.000 Besucherinnen und Besucher begrüßen durften, hat unsere Erwartungen allerdings übertroffen. Dass sich diese hohen Besucherzahlen über die Jahre hinweg verstetigt haben, freut uns sehr und zeigt, dass das Konzept angenommen wird.

Feuilletonscout: Das Festival findet auf dem Hof der Neuen Synagoge statt – einem Ort mit großer historischer Bedeutung. Welche Rolle spielt dieser besondere Ort für die Atmosphäre des Festivals?
Avi Toubiana: Der Ort spielt tatsächlich eine große Rolle. Zu Beginn wurde mir sogar vorgeworfen, es sei eine Art Blasphemie, ein Streetfood-Festival auf dem Gelände einer Synagoge zu veranstalten. Dabei ist eine Synagoge vor allem ein Ort der Gemeinschaft, an dem Menschen zusammenkommen. Genau das tun wir hier. Die Oranienburger Straße und die Neue Synagoge stehen für jüdisches Leben mitten in der Stadt. Dass dort heute wieder Begegnungen stattfinden, halte ich für ein starkes Zeichen.

Begegnung ohne Pathos

Feuilletonscout: Erinnern Sie sich an einen Moment aus den vergangenen fünf Jahren, der für Sie exemplarisch zeigt, was dieses Festival ausmacht?
Avi Toubiana: Mein Ziel war eigentlich ganz einfach: jüdische und nichtjüdische Menschen zusammenzubringen – in einer entspannten Atmosphäre bei einem Glas Wein oder einem Falafel. Ich denke, das haben wir erreicht. Viele Besucherinnen und Besucher haben mir erzählt, wie unkompliziert und offen die Stimmung sei. Besonders gefreut hat mich, dass viele sagten, sie hätten hier lebendiges Judentum kennengelernt, ohne dass sich alles um den Holocaust drehen müsse. Genau das wollten wir ermöglichen.

Feuilletonscout: Welche Bedeutung haben Veranstaltungen wie das Streetfood Festival für die Sichtbarkeit jüdischen Lebens in Berlin heute?
Avi Toubiana: Viele Besucherinnen und Besucher fragen zunächst ganz konkret, was eigentlich „koscher“ bedeutet. Oft stellen sie fest, dass vieles äußerlich gar nicht so anders aussieht als das Essen, das sie sonst kennen. Daraus ergeben sich Gespräche. Deshalb haben wir vor einigen Jahren einen Informationsstand eingerichtet. Anfangs war ich unsicher, ob das Interesse groß genug sein würde. Inzwischen sind dort jedes Jahr zehn bis elf Rabbiner vor Ort, die Fragen beantworten. Dabei geht es um religiöse Vorschriften, um Lebensmittel, um Hygiene oder auch um Parallelen zu Bio- oder Vegan-Konzepten. Viele sind überrascht, wie aktuell manche dieser jahrtausendealten Regeln bis heute sind.

Koschere Streetfood Festival 2025 Boaz Arad
Foto: Boaz Arad

Feuilletonscout: Viele Besucher kommen vermutlich zunächst wegen des Essens. Wie gelingt es, darüber hinaus Neugier auf jüdische Kultur und Traditionen zu wecken?
Avi Toubiana: Das kulinarische Angebot spielt natürlich eine wichtige Rolle. In diesem Jahr haben wir beispielsweise erstmals georgische Spezialitäten dabei. Außerdem gibt es Stände mit Judaica, Büchern oder Textilien mit jüdischen Motiven und Schriftzügen. So entstehen oft ganz nebenbei Gespräche über Kultur, Tradition und Geschichte. Das macht für uns den besonderen Reiz des Festivals aus.

Feuilletonscout: Gibt es in diesem Jahr kulinarische Entdeckungen oder neue Stände, auf die Sie besonders gespannt sind?
Avi Toubiana: Besonders freue ich mich auf die neuen internationalen Angebote. Neben georgischer Küche gibt es unter anderem westafrikanische Spezialitäten sowie weitere internationale Einflüsse aus Indien oder auch Sushi. Gerade diese Vielfalt zeigt, wie facettenreich jüdische Kultur und ihre kulinarischen Traditionen weltweit sind.

Feuilletonscout: Worauf dürfen sich die Besucher auf den Bühnen in diesem Jahr besonders freuen?
Avi Toubiana: Natürlich steht das fünfjährige Jubiläum im Mittelpunkt. Außerdem haben wir uns eine besondere Aktion überlegt: Insgesamt 3.000 Jutebeutel werden kostenlos verteilt. In jedem hundertsten Beutel befindet sich ein Gutschein. Die Ausgabe erfolgt zu mehreren Zeitpunkten über den Tag verteilt. Darüber hinaus erwartet die Besucherinnen und Besucher ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm mit Musik und Unterhaltung.

Mehr als ein Fest

Feuilletonscout: Was wünschen Sie sich, dass die Besucher nach einem Tag auf dem Festival mit nach Hause nehmen – außer einem vollen Magen?
Avi Toubiana: Ich wünsche mir vor allem, dass die Menschen eine gute Zeit mit ihren Familien und Freunden verbringen. Darüber hinaus hoffe ich, dass das Festival Türen öffnet, Horizonte erweitert und Neugier weckt. Wer uns besucht, soll die Möglichkeit haben, sich ein eigenes Bild zu machen und Fragen zu stellen. Gerade in einer Zeit, in der Antisemitismus wieder stark zunimmt, wünsche ich mir, dass Begegnungen stattfinden und Menschen miteinander ins Gespräch kommen.

5. Koscheres Streetfood-Festival Berlin21. Juni, 11–21 Uhr (Eintritt frei)
Hof der Neuen Synagoge
Oranienburger Straße 28-31, Berlin-Mitte
www.juedische-kulturtage.org

Das Wichtigste in Kürze:

  • Jüdisches Leben im offenen Austausch erfahrbar
  • Kulinarische Vielfalt zwischen Tradition und Gegenwart
  • Historischer Ort als lebendiger Begegnungsraum

Kosher street food: Where culture is enjoyed through the stomach

The kosher street food festival in the courtyard of Berlin’s New Synagogue marks its fifth anniversary and has become an established part of the Jewish Culture Days. Artistic director Avi Toubiana describes the original idea as deliberately simple: bringing people together through food, music, and conversation. The first edition already attracted more than 10,000 visitors, a success that has continued over the years.

The historic location gives the festival particular significance. Despite initial criticism, Toubiana views the synagogue primarily as a space for community. This is precisely what the festival creates: encounters between Jewish and non-Jewish visitors within the everyday life of the city.Alongside the culinary offerings—this year including Georgian and West African influences—exchange plays a central role. Information stands staffed by rabbis invite conversations about kosher rules and their contemporary relevance. Many visitors gain new perspectives on Jewish culture in the process.

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