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„Tunnelblick“ – Ein Schweizer Debüt abseits der Spur

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Buch Literatur

Von Barbara Hoppe.

In einer Zeit, in der viele Romane entweder überkonstruiert sind, Banales als die Neuerfindung des Rades anpreisen oder vor Verzweiflung nach einem originellen Inhalt auf Autofiktion zurückgreifen, überrascht „Tunnelblick“, erschienen bei die brotsuppe, mit einer Erzählung jenseits des Mainstreams. Noa Theobaldys Roman verweigert sich jeder Effekthascherei. Die Geschichte bleibt konzentriert, fast spröde.

Von der Realität ins Geheimnis

Das Abenteuer beginnt mit Silvan, der auf einer Zugfahrt in die Heimat ist. Was als normaler Pendleralltag beginnt, verwandelt sich rasch in eine surreale Zwischenwelt. Die Begegnung mit der kleinen Anouk, die eine Fledermaus hütet, die Schaffnerin, der Zug, der scheinbar ewig fährt und schließlich im Tunnel stehenbleibt. Passagiere, die aussteigen müssen und in einen Sammelraum gebracht werden, eigenartige Wesen, die die Gestrandeten umwehen und schließlich Silvans eigene Lebensgeschichte, die allmählich an die Oberfläche kommt. Der Verlust der Tochter, die Suche nach Erlösung und das diffuse Gefühl des „Nichtankommens“ verdichten sich zu einem Kaleidoskop der Verlorenheit – und führen den Leser in eine dramaturgisch klug gebaute Grenzregion zwischen Märchen, Surrealem und Bewältigungsroman.

Tunnelblick Noa Theobaldy
Cover: Verlag brotsuppe

Spröde Intensität und mysteriöse Klarheit

Noa Theobaldy findet hierfür eine Sprache, die beim Lesen eine besondere Intensität entfaltet. „Tunnelblick“ bleibt bewusst knapp – die direkte Sprache überträgt die existenzielle Verunsicherung des Protagonisten und schlägt mühelos eine Brücke vom Alltag in die Tiefe der Abgründe.

Dabei spinnt der Roman einen subtilen, aber spannenden Mystery-Faden: Fenster dürfen nicht geöffnet, Vorhänge nicht zur Seite gezogen werden. Die Figuren kreisen umeinander, Momente des Traums und der Angst wechseln abrupt – und inmitten der Schwärze gibt es Lichtpunkte der Hoffnung. Wer Lust auf Literatur hat, die mit Reduktion und feiner Fantastik arbeitet, der findet in „Tunnelblick“ eine inspirierende Lesereise.

Bei Verwendung des Textes bitte Quelle angeben bzw. verlinken.

Noa TheobaldyTunnelblick
brotsuppe, Biel 2021bei amazon

Das Wichtigste in Kürze

  • Surreale Zugreise zwischen Alltag und Zwischenwelt
  • Verlustmotiv als leiser Motor der Handlung
  • Knappheit der Sprache mit großer Sogwirkung

„Tunnelblick“ (“Tunnel Vision”) – A Swiss debut that goes off the beaten track

Noa Theobaldy’s “Tunnelblick” is a slim novel that deliberately avoids mainstream conventions and any form of spectacle. Its restrained, almost austere narrative style creates a distinctive intensity.

The story follows Silvan, who begins a routine train journey back home. What starts as an ordinary commute gradually shifts into a surreal experience: a mysterious encounter with a girl named Anouk and her bat, a train that seems to travel endlessly before stopping inside a tunnel. The passengers are led into a holding area, strange beings appear, and Silvan’s own past slowly resurfaces.The loss of his daughter and his search for redemption form the emotional core, unfolding into a layered portrait of disorientation and grief. The novel moves confidently between elements of fairy tale, mystery, and psychological reflection. Theobaldy’s language is deliberately concise. This reduction heightens the impact, making the protagonist’s existential unease palpable. At the same time, subtle rules of the uncanny emerge—windows must remain closed, curtains undrawn—creating an atmosphere of quiet tension.

“Tunnelblick” is a subtle yet powerful reading experience, opening a vast inner landscape through minimal means.

1 Kommentar zu „„Tunnelblick“ – Ein Schweizer Debüt abseits der Spur“

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