Von Barbara Hoppe.
Isabel Flores Montserrat hat mit ihren 33 Jahren viel erreicht: Erfolgreiche, wenngleich auch exzentrische Ermittlungen führten zu einer steilen Karriere bei der Polizei, zuerst in Barcelona, dann in Madrid und Palma auf Mallorca. Doch der enttäuschende Umgang ihrer Kollegen mit dem mysteriösen Tod ihres Onkels, ebenfalls Ermittler, konnte sie nicht verkraften. Isabel quittierte den Dienst und ging in ihren Heimatort auf der Insel zurück, wo sie die kleine Agentur für Ferienwohnungen ihrer Mutter übernahm.
Mallorca, mehr als Kulisse
Am Fuße des Tramuntana-Gebirges, im 600-Seelen-Ort Sant Martí mit seinem etwas zu pompösen Marktplatz, der neugotischen Kirche und dem gemütlichen Rathaus aus Kalkstein, umgeben von Orangen-, Zitronen- und Olivenhainen, genießt Isabel ein ruhiges Inselleben zwischen Feriengästen, ihrer Mama, der besten Freundin Marga, dem jungen Pep, der ihr in der Agentur hilft und ihrem ehemaligen Chef aus Palma, Tolo Cabot.
Urlaubsidylle unter Spannung
Bis zu dem Tag, an dem die kleine Miranda Walters spurlos verschwindet. Die Tochter britischer Touristen scheint vom Erdboden verschluckt zu sein. Das Interesse der Öffentlichkeit an diesem Fall ist groß, sodass Kriminalpolizei und Militärpolizei verdonnert werden, gemeinsam zu ermitteln – und Isabel soll als Beraterin hinzugezogen werden.
Schon bald scheint aus dem Vermisstenfall eine größere Angelegenheit zu werden. Nicht nur wird unweit der historischen Bahnstrecke ein frommer und generöser Kirchgänger in seinem Haus ermordet aufgefunden, auch der Drogendealer Afrim Cana scheint seine Finger mit im Spiel zu haben. Verbindungen, die bis zu den Drogenkartellen in Kolumbien führen und es nicht bei einem Toten belassen. Als Isabel ins Haus des Mordopfers kommt, ahnt sie von all dem freilich noch nichts.
Feel-Good mit Schattenseiten
„Das Teufelshorn“ der britischen Autorin Anna Nicholas ist ein echter Feel-Good Krimi. Als profunde Malllorca-Kennerin, die seit Jahren auf der Baleareninsel lebt, weiß die Autorin ihre Leserschaft für das mallorquinische Lebensgefühl zu begeistern. Das beschauliche Leben in kleinen Orten, wo die Polizisten bei Falschparkern gern mal ein Auge zudrücken, sowieso jeder jeden kennt und traditionelle Feiern hochgehalten werden, macht Lust, den eigenen Alltag hinter sich zu lassen. Mit Isabel Flores schafft die Autorin zudem eine sympathische und blitzgescheite Heldin, die sich nicht in die Irre führen lässt.
Zwischen Seriencharme und Schema F
Leider kommt „Das Teufelshorn“ mit einem zu konventionellen Krimisetting daher, dessen Plot vom Reißbrett zu kommen scheint und alles in allem das Lesevergnügen trübt. Die Figuren sind bei aller Liebe zum malerischen Ambiente ein wenig zu holzschnittartig geraten. Auch wenn die geschickte Verschachtelung des Geschehens die Entwicklung der Geschichte unvorhersehbar macht und dadurch eine gewisse Spannung entsteht, bleiben unbefriedigende Lücken. Zu oft bleibt der Leser außen vor, erhält keinen Einblick in die Gedanken von Isabel oder warum sie nur einen Anruf bei „jemandem, den sie von früher kennt“ machen muss, um einer Spur zu folgen. Als Serie angelegt, schafft Anna Nicholas am Ende jedoch noch einen Cliffhanger, der auf eine spannende Weiterentwicklung des Geschehen hoffen lässt.
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| Anna Nicholas | Das Teufelshorn Aus dem Englischen von Eva Regul und Alexandra Berlina |
| Diogenes Verlag Zürich 2025 | bei amazon bei Thalia |
Das Buch in Kürze
- Mallorca-Krimi mit starkem Inselflair und lokaler Atmosphäre.
- Unkonventionelle Ermittlerin Isabel Flores zwischen Ferienidylle und Verbrechen.
- Entführungsfall, Mord und Drogenkartell im Auftakt einer neuen Serie.
Mallorca crime novel ‘Das Teufelshorn’ (The Devil’s Horn): Light and shadow
At 33, Isabel Flores Montserrat has already lived through a brilliant yet harrowing career in the Spanish police. After the traumatic death of her uncle, also a detective, she resigns and returns to her home village in Mallorca. There she runs her mother’s small holiday rentals agency and enjoys a quiet life in the 600-soul village of Sant Martí at the foot of the Tramuntana mountains, surrounded by orange, lemon and olive groves.
The calm ends when young Miranda Walters, daughter of British tourists, disappears without a trace and the authorities call Isabel in as a consultant. It soon becomes clear that the case is only the beginning: a devout churchgoer is found murdered, and the trail leads to drug dealers and Colombian cartels.
“The Devil’s Horn” by Anna Nicholas is a feel-good crime novel rich in Mallorcan atmosphere, with a sympathetic, sharp-witted heroine and an evocative small-town setting. Yet the crime framework itself feels conventional, some characters remain sketchy, and not all investigative steps are narratively fleshed out, which sometimes weakens the suspense. As the first volume in a series, however, the novel scores with its setting, protagonist and a final cliffhanger that whets the appetite for more Isabel Flores cases



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