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Meine Bücher! „Wunderwelt Warengruppe“

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Meine Bücher Kolumne Susanne Falk

Kolumne von Susanne Falk

Das Buch ist ein Erziehungsratgeber. Zweifel ausgeschlossen. Und wo stellen die Buchhändler es hin? Überraschung, es findet sich bei den Jugendbüchern wieder. Ist das jetzt Zufall, Absicht oder einfach schlampert? Weder noch: Es ist ein leicht verrutschtes Wunder aus der Welt der Warengruppen.

Nur zur Klärung vorweg: Buchhändlerinnen und Buchhändler denken sich immer etwas dabei, wenn sie ein Buch anders einsortieren, als es vielleicht die vom Verlag ausgewählte Warengruppe vorgeben würde. Wenn ein Verlag ein Buch gerne zu den Ratgebern sortieren möchte, die Buchhandlung aber einen coolen Tisch mit Jugendbüchern zu allerlei Problemfeldern aufbaut, die die Jugend aktuell so beschäftigen, dann kann das schon mal sinnvoll sein, die ursprüngliche Warengruppe zu ignorieren und das Werk statt zu den Ratgebern eben zu den Jugendbüchern zu sortieren. Die Frage ist halt: Wer sieht es hier und kauft es dann?

Warengruppen sind wichtig im Buchhandel, weil sie Orientierung bieten und der Verlag damit die Richtung vorgibt, wer hier angesprochen werden soll. Aber wie wäre es, wenn man Bücher ganz entgegen ihrer Warengruppe in der Buchhandlung einsortiert und sie so ein gänzlich anderes Publikum finden, als ursprünglich gedacht? Caroline Wahls Bestseller „22 Bahnen“ könnte da, rein theoretisch, auch in der Abteilung der „Do-it-yourself“-Bücher für Swimmingpoolbauer landen (Warengruppe Ratgeber). Daniel Glattauers Megaseller „Gut gegen Nordwind“ steht ab jetzt beim Thema Klimawandel/Geographie in der Warengruppe „Naturwissenschaften“, Agatha Christies „16 Uhr 50 ab Paddington“ dagegen beim Reisebuch und der „Grüffelo“ gehört eindeutig in die Warengruppe Belletristik/Krimi und nicht mehr zum Kinderbuch. Das hieße, dass Fliesenleger für Schwimmbäder womöglich ihr Herz für überforderte junge Frauen in einer echten Lebenskrise entdecken, Naturwissenschaftler die Macht der Liebe am Wetter festmachen könnten, es mehr Tote am Bahnhof Paddington geben könnte (bedenklich) und dass im Umkehrschluss Kinder schon frühzeitig an Kriminalliteratur herangeführt werden, in der es um das Überleben der Kleinsten (Stichwort Maus) ginge.

Ich persönlich würde gerne eine Warengruppe „Stumpfsinn“ einführen, in der ich alles verräumen dürfte, was eigentlich nicht wert ist, gedruckt zu werden. Ein Schelm, wer Fitzek dabei denkt. Auch Ratgeberbücher wären geradezu prädestiniert, hier zu landen. Und Conni-Bücher. Aber da der Buchhandel die Ware ja verkaufen will, stehen alle Werke hübsch dort, wo sie hingehören. Gut für die Verlage, schlecht für die Fliesenleger.

Bei Verwendung des Textes bitte Quelle angeben bzw. verlinken.

My Books!The Wonderful World of Product Categories

Column by Susanne Falk

The book is a parenting guide. No doubt about it. And where do the booksellers put it? Surprise: it turns up among the young adult books. Is that coincidence, intention, or simply sloppy? Neither: it’s a slightly shifted marvel from the world of product categories.

Just to clarify upfront: booksellers always have a reason when they shelve a book differently from the product category chosen by the publisher. If a publisher would like a book to be placed among the advice guides, but the bookshop sets up a cool table of young adult books dealing with all sorts of issues that currently concern young people, then it can make perfect sense to ignore the original category and shelve the work with the young adult titles instead of the advice guides. The real question is: who sees it there and then buys it?

Product categories are important in bookselling because they provide orientation and allow the publisher to indicate who the intended audience is. But what if books were shelved in bookshops entirely contrary to their category, and thus found a completely different readership than originally intended? Caroline Wahl’s bestseller 22 Bahnen could, purely in theory, also end up in the “do-it-yourself” section for swimming-pool builders (category: guide). Daniel Glattauer’s mega-seller Gut gegen Nordwind would from now on stand under climate change/geography in the “natural sciences” category; Agatha Christie’s 4.50 from Paddington would instead be placed with travel books; and The Gruffalo would clearly belong in the category of fiction/crime and no longer with children’s books. That would mean that tilers for swimming pools might discover a soft spot for overwhelmed young women in a genuine life crisis, natural scientists could pin the power of love on the weather, there might be more deaths at Paddington station (worrying), and, conversely, children would be introduced to crime fiction at an early age – by stories about the survival of the smallest (keyword: mouse).

Personally, I would like to introduce a product category called “Stupidity”, into which I could shelve everything that really isn’t worth being printed. A mischievous mind might think of Fitzek here. Guide books would also be practically predestined to end up there. And Conni books too. But since booksellers plan on selling all these books, all works are nicely placed where they belong. Good for publishers, bad for tilers.

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