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Lukas Hasler im Goldenen Saal: Ein Debüt mit Orgelglanz

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Musik

Von Guido Krawinkel.

GOLD! Groß prangt der durchaus protzig wirkende Titel auf dem Cover der akutellen CD des jungen Organisten Lukas Hasler. Das zeugt von einem gewissen Selbstbewusstsein, das der junge österreichische Organist an den Tag legt. Auch in der Vergangenheit hat er schon bewiesen, dass er kein Kind von Schüchternheit zu sein scheint: Fotos, auf denen er auf Spieltischen posierend zu sehen ist, haben mitunter für heftige Reaktionen in der Orgelcommunity gesorgt. Doch das ist Geschichte, denn zum einen ist Hasler gesetzter geworden, zum anderen haben auch seine Kritiker gemerkt: der kann nicht nur posieren, sondern auch Orgel spielen! Das stellt er auf seiner CD nachdrücklich unter Beweis.

Goldener Saal, goldenes Klangbild

Hasler hat ein spannendes Programm zusammengestellt, das aus vielen Transkriptionen und einigen Originalwerken besteht und sowohl ihn als Interpreten als auch das verwendete Instrument in einem guten Licht erscheinen lässt. Beim Instrument handelt es sich um die Rieger-Orgel im Großen Saal des Wiener Musikvereins, dem sogenannten „Goldenen Saal“ mit seiner legendären Akustik. Die dortige Orgel ist ein modernes symphonisches Instrument mit 86 Registern, das 2011 hinter dem historischen Prospekt installiert wurde und klanglich wie technisch den symphonischen Orgelbau unserer Zeit widerspiegelt.

Zwischen Bruckner und Bizet

Hasler nutzt das Rieseninstrument mit orchestralem Gespür, was insbesondere in Bearbeitungen des fulminant gespielten Scherzos aus Anton Bruckners Nullter oder in einer kurzweiligen Fantasie über Themen Georges Bizets Oper Carmen deutlich wird. Hier wird César Francks Spruch, die Orgel sei sein Orchester, mehr als real. Auch die Sinfonia aus der Ratswahlkantate von Johann Sebastian Bach zeigt Hasler als versierten und souveränen Interpreten, der es nicht auf den spektakulären Schnellschuss abgesehen hat, sondern durchweg mit Bedacht, strukturiert und durchaus ebenso schwung- wie spannungsvoll spielt. Dabei hält er etwaigen jugendlichen Übermut stets im Zaum, Rekordtempi und andere pseudovirtuose Mätzchen sind seine Sache nicht, im Gegenteil.

Grenzen der Transkription

Auch auf dieser CD hat Hasler Klaviertranskriptionen von Werken Schumanns, Beethovens und Mozarts eingespielt. Hier wirkt der symphonische Orgelklang zuweilen etwas statisch, wiewohl Hasler an der Orgel stets so registriert und spielt, das ein möglichst differenziertes Bild entsteht. Aber die Melodie in der zweiten Romanze aus op. 28 von Robert Schuman kann man an einer Orgel eben nur mit ungleich mehr Aufwand nur annähernd so differenziert wie auf einem Klavier singen lassen. Im Kopfsatz aus Ludwig van Beethovens Mondscheinsonate dagegen klingt zum Beispiel die triolische Begleitung etwas monoton. Da stellt man sich durchaus die Frage nach Sinn und Unsinn solcher Bearbeitungen mancher Klavierwerke, wiewohl Hasler ausgezeichnet spielt, die Werke auf der Orgel nicht schlecht klingen und etwa das g-Moll Prélude aus Sergej Rachmaninoffs op. 23 durchaus überzeugt. Aber beim Boléro de concert von L.J.A. Lefébure-Wély hört man doch, dass die Orgel hier so richtig in ihrem Element ist. Und Hasler auch.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Symphonischer Orgelklang im Goldenen Saal
  • Spannungsreiches Programm zwischen Bruckner und Bizet
  • Virtuose, aber reflektierte Spielkultur ohne Effekthascherei

Lukas Hasler in the Golden Hall

GOLD! The title of Lukas Hasler’s debut CD is programmatic and points straight to the recording venue: the Rieger organ in the Great Hall of the Vienna Musikverein, the legendary “Golden Hall”. Once a talking point in the organ community for his provocative photos, Hasler now presents himself as a mature musician who commands his instrument and shapes his interpretations with stylistic awareness.The programme combines transcriptions and original works and showcases both the performer and the modern symphonic Rieger organ with its 86 stops. Especially in the transcription of the Scherzo from Bruckner’s “Nullte” and in the inventive Carmen fantasy after Bizet, Hasler compellingly fulfils César Franck’s dictum of the organ as “his orchestra”. In the Sinfonia from a Bach council election cantata, he convinces with clear structure and sustained tension, avoiding record-breaking tempi and superficial effects.The piano transcriptions of Schumann, Beethoven and Mozart are more ambivalent, where the symphonic organ sound can feel somewhat static and the limits of transfer from keyboard to pipes become audible. Nonetheless, pieces like Rachmaninov’s g minor Prelude emerge convincingly, and Lefébure-Wély’s Boléro de concert leaves no doubt that both organ and organist are fully in their element here.

1 Kommentar zu „Lukas Hasler im Goldenen Saal: Ein Debüt mit Orgelglanz“

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