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Pianistin Aliya Turetayeva – im Klavierhimmel

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Von Guido Krawinkel.

„Die Musik von Johann Sebastian Bach war immer von unglaublicher Wichtigkeit für mich. Durch seine Musik habe ich mich immer mit der Ewigkeit verbunden gefühlt und während der letzten Jahre viele Momente des Glücks und der Trauer mit seiner Musik geteilt“, so Aliya Turetayeva. Die Pianistin stammt aus Almaty in Kasachstan, kam mit 17 Jahren nach Deutschland und studierte anschließend an der Hochschule für Musik und Theater Köln bei Pavel Gililov. „Ich wollte unbedingt im Ausland studieren und ich wollte eine gründliche Ausbildung bekommen. Bei einem Meisterkurs habe ich Professor Gililov getroffen und dann entschieden, auf jeden Fall in Köln zu studieren. Es war nicht leicht, aufgenommen zu werden. In Köln habe ich bis zum Master studiert und anschließend einen Studiengang für Postgraduierte an der Universität Mozarteum besucht und abgeschlossen.“ Für Gililov sprach aus ihrer Sicht, dass er eben nicht nur virtuos spielt. „Er spielt sehr lyrisch, hat einen sehr schönen Klang. Und diese Qualitäten haben mir sehr gut gefallen.“ Zur Zeit vertieft Turetayeva ihre Studien und setzt dabei einen Schwerpunkt auf künstlerische Forschung. Neben Vorlesungen in Musikwissenschaft befasst sie sich mit Ethnographie und feilt weiter an ihrer künstlerischen Reife.

Romantische Dialoge mit Bach

Die Musik von Johann Sebastian Bach hat für Turetayeva immer eine besondere Rolle gespielt, im Original ebenso wie in Bearbeitungen. Für ihre neue CD hat sie Bachs Chaconne für Violine solo und einige Choralvorspiele in der Bearbeitung von Ferruccio Busoni aufgenommen, romantische Paradestücke, deren farbiger Klang die Pianistin immer fasziniert hat. Außer Bach sind noch Schubert mit der Sonate in A-Dur D 664 Op. posth. 120 und Schumann mit den Fantasiestücken Op. 111 vertreten. „Diese Komponisten sind für mich persönlich sehr wichtig. Schumann ist mein Lieblingskomponist und steht mir sehr nahe. Die Schubert-Sonate habe ich schon oft gespielt und mag sie sehr. Das war eine Herzensentscheidung.“

Aliya Turetayeva Credo Cover

Neugier auf das Alte

Auch Bach und die Musik des Barock sind eine Herzensangelegenheit für Turetayeva. Pianisten spielen heutzutage durchaus wieder Barock, nachdem dies lange Zeit fast ausschließlich Spezialisten vorbehalten war. Turetayeva nimmt sogar eigens Cembalounterricht, um diese Musik und ihre Spielweise besser zu verstehen. Momentan ist Rameau an der Reihe. „Das macht auch sehr großen Spaß und beeinflusst mein Klavierspiel. Es ist ganz anders, Alte Musik zu spielen, auch die Spieltechnik. Aber ich bin eine neugierige Person und ich mag es neue Sachen zu entdecken.“ Das beeinflusst natürlich manche Details ihrer Interpretation, aber letztendlich hat jedes der Instrumente seine eigene Traditionen und die ist auf dem Cembalo historisch, auf dem Klavier eher romantisch. „Diese Aspekte und Hintergründe sind wichtig, man muss sie kennen und auf den historischen Musikinstrumenten auszuprobieren“, so Turetayeva.

Zwischen Orgelglanz und Romantik

Im Falle von Busonis Bearbeitung der Chaconne aus der Partita Nr. 2 für Violine solo in d-Moll (BWV 1004) tut sie das natürlich mit romantischer Emphase. „Busonis Bearbeitung ist unglaublich meisterhaft – Busoni selbst war ein virtuoser Pianist. An gewissen Stellen bekommt die Transkription den Klang vom Orchester und Orgel und kann sicher als eines der herausragenden Stücken in der Musikliteratur betrachtet werden.“ Zusammen mit Schuberts Sonate und Schumanns Fantasiestücken ergibt sich so ein facettenreiches Bild der Romantik.

Ein ausführliches Interview mit der Pianistin lesen Sie hier.

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Aliya Turetayeva | PianoCredo
Bach – Schumann – Schubert
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Das Wichtigste in Kürze

  • Virtuose und zugleich lyrische Klavierkunst mit emotionaler Tiefe
  • Verbindung von barocker Strenge und romantischer Klangfarbenfülle
  • Künstlerische Neugier zwischen Forschung, Cembalo und Moderne

Pianist Aliya Turetayeva – in piano heaven

For pianist Aliya Turetayeva, the music of Johann Sebastian Bach has always been a source of spiritual depth. Born in Almaty and trained in Cologne under Pavel Gililov, she combines emotion with precision in her playing. Her new album centers on Bach’s Chaconne in Ferruccio Busoni’s transcription—a work transforming violin and organ sonorities into pianistic grandeur. Alongside it, Schubert’s A major Sonata and Schumann’s Fantasy Pieces express her personal artistic affinities.

Recently, Turetayeva has been exploring Baroque performance more deeply through harpsichord studies and artistic research. Her fascination with ethnography and historical technique fosters a stylistic openness bridging centuries. She views Busoni’s Chaconne as a dialogue between Baroque structure and Romantic intensity: “At certain moments, it sounds like an organ or an orchestra,” she notes. Thus, sound becomes a living reflection of intimacy and grandeur—Bach reimagined for the modern ear.

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