Von Barbara Hoppe.
Pam und Hank, Marlene und Dave, Nancy und Larry, Shalisa und Andre – vier Paare, vier Ehen und plötzlich ist einer tot. Die Trauer wird gemildert, als die Damen herausfinden, dass ihre Angetrauten eine hohe Lebensversicherung zu ihren Gunsten abgeschlossen haben. Und das, nachdem sie zuvor das gesamte Ersparte durch ein windiges Investment verloren hatten. Aus dem Traum von Villa und Swimmingpool war ein Mittelstandsleben mit Einkäufen aus Sonderangeboten geworden. Doch plötzlich scheint der Tod nicht mehr das Ende, sondern ein Anfang: Der Anfang von einem neuen Leben für drei Very Bad Widows jenseits von dreißig Jahren Ehe, von Mäkeleien und Routine, von Frust und Enttäuschungen.
Killer gesucht – dringend
Doch wie werden drei brave Frauen – die vierte lebt als Witwe bereits samt Lebensversicherung im sonnigen Florida – ihre Ehemänner los? Ein Auftragskiller muss her. Dumm nur, dass jener offenbar der einzige weit und breit für solche Jobs ist. Und noch dümmer, dass besagte Ehemänner mit diesem Auftragskiller ganz andere Ziele verfolgen als ihre Ehefrauen, während jener Hector mit seiner hübschen Frau Brenda sowieso immer nur das tut, was für sie beide das beste ist, ganz nach dem Motto „Happy wife, happy life“. Mit Padma kommt schließlich noch die Tochter der mächtigsten Unterwelt-Bossin Indiens ins Spiel – als Geschäftsführerin des örtlichen Spielcasinos und Chefin von Hank und Dave. Voller Komplexe als Marionette ihrer dominanten Mutter, die ihr nicht nur nichts zutraut, sondern auch unbedingt einen Ehemann für ihre Tochter finden möchte.
Krimi mit Herz und schwarzem Humor
Es wäre müßig, diesen extrem unterhaltsamen Debüt-Roman der kanadischen Autorin Sue Hincenbergs zusammenfassen zu wollen. Auf 432 Seiten sprüht er förmlich vor Witz, schwarzem Humor, Missverständnissen, Ehefrust, pointierten, messerscharfen Dialogen und verknäuelten kriminellen Machenschaften. Fragen wie „Was kostet ein Profikiller“ oder „Passen 50.000 Dollar in eine Handtasche?“ ersetzen Routinen wie „Was koche ich heute Abend?“. Sue Hincenbergs legt nicht nur den Finger in die Wunde jahrelang angehäuften Beziehungsstresses, sondern findet gleichzeitig auch einen Ton voller Wärme für ihre Heldinnen und Helden. Man muss sie einfach alle gern haben, keinem wünscht man den Tod an den Hals. Wie Sue Hincenbergs dann auch noch ein Finale hinbekommt, dass jeden mit einem Lächeln zurücklässt, sei hier nicht verraten. Noch nie war ein Auftragsmord so unterhaltsam. „Very Bad Widows“ ist ein herrlich schwarzhumoriger Krimi mit Herz, Tempo und Pointen satt – und der Ehe als heimlicher Held.
Bei Verwendung des Textes bitte Quelle angeben bzw. verlinken.
| Sue Hincenbergs | Very Bad Widows aus dem kanadischen Englisch von Charlotte Lungstrass-Kapfer |
| Piper Verlag, München 2025 | bei amazon bei Thalia |
Sue Hincenberg’s ‘Very Bad Widows’ – Murder, humour and marital frustration
Four women, four dead husbands—and suddenly, new beginnings. In Sue Hincenbergs’ darkly witty debut Very Bad Widows, Pam, Marlene and Nancy discover unexpected optimism when their late spouses leave behind life insurance policies. Their dreams of luxury replaced by bargain-bin living, they hatch a plan: hire a hitman. But Hector, the only option, has his own agenda—and so does Padma, casino boss and daughter of India’s most feared crime matriarch. With sharp dialogue and outrageous twists, this crime novel swaps dinner plans for death plots, blending heartbreak with hilarity. Very Bad Widows is an unconventional, fast-paced romp with heart and bite.


Pingback: Der Podcast am Sonntag: „Very Bad Widows“ von Sue Hincensberg |