Kolumne von Susanne Falk
Lang, kurz, mittellang, geschnitten, durchmoderiert oder gleich ganz live: Bücher-Podcasts sprießen gerade wie Pilze aus dem Boden. Ich bin daran nicht ganz unschuldig, moderiere ich so etwas doch höchstselbst. Dennoch wundere ich mich: Wer soll das alles hören?
Das wird jetzt kurz schamlose Eigenwerbung. Tut mir leid, da müssen Sie eben einmal durch: „Let’s book! Der Molden Podcast“ heißt die Sendung, die ich zusammen mit meinen Kollegen Matthias und Sarah für den Molden Verlag moderiere. Etwa 30 Minuten lang, ein Gast, ein Buch, ein Leben, ein Blick hinter die Kulissen des Literaturbetriebs und ganz viel Spaß! Und weil ich es fürchterlich finde, dass manche ihre Podcasts nicht anständig schneiden, ist es auch ganz viel Arbeit. Der Rekord im Eliminieren des Wortes „ähm“ liegt bei etwa 160 Mal innerhalb einer Folge. Puh! Auch das Herausschneiden von Schmatzern, Hustern oder Knattern, weil unsere Gäste gerne lebhaft gestikulieren und dabei dann das Mikro unerlaubte Töne von sich gibt, machen eine Menge Arbeit. Aber: Es lohnt sich!
Ja, es gibt einige KI-Programme, die das schon halbwegs alleine hinbekommen, die Qualität der Podcasts durchs Zuschneiden und Ausbalancieren zu steigern, aber die sind für meine Ansprüche nicht gut genug. Da ähmt es nachher immer noch reichlich on Air und das nervt nicht nur mich sondern auch andere Hörerinnen und Hörer. Aber wer sind die eigentlich? Ich weiß ja, wen ich selbst zum Hören meines Podcasts verknacke (Freunde, Verwandte, Kollegen), aber wer schaltet da noch ein? Sind das alles die Freunde, Verwandten und Kollegen unserer Gäste? Hardcoreliteraturfans? Podcastnerds und Leute, die beim Abwaschen und Putzen, so wie ich, gerne einschalten und sich etwas Kluges erzählen lassen?
Es gibt da Statistiken, die einem sagen, mit welchen Hörerinnen und Hörern man es für gewöhnlich zu tun hat. Bei „Let’s book“ sind es mehrheitlich Frauen zwischen 35 und 45 aus Österreich, Deutschland und Vietnam. Ja, richtig gelesen! Und nein, ich weiß auch nicht, wer sich aus Vietnam einschaltet, um deutschsprachige Bücherpodcasts zu hören… Wahrscheinlich muss man in Vietnam einfach auch viel abwaschen, weil da ein paar Bücherwürmer genau wie ich keine Spülmaschine besitzen.
Ob „eat.READ.sleep“ des NDR , der Falter-Podcast „Besser lesen“ mit meiner sehr lieben und klugen Autorenkollegin Petra Hartlieb oder sehr persönlich mit „Vroni&Moni“ – es gibt für jede Leseratte ihren ganz eigenen Podcast. Also: Einschalten! Zuhören! Und Abtauchen in die Welt hinter den Büchern!
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My Books! 1001 Books Podcast
Column by Susanne Falk
Long, short, medium-length, edited, tightly hosted, or completely live: book podcasts are currently pop up everywhere. I’m not entirely innocent in this myself, since I host one too. Still, I can’t help but wonder: who is supposed to listen to all of this?
Now comes a brief moment of shameless self-promotion. Sorry – you’ll just have to get through it: “Let’s book! The Molden Podcast” is the show I host together with my colleagues Matthias and Sarah for Molden Verlag. About 30 minutes long: one guest, one book, one life, a glimpse behind the scenes of the literary world – and a lot of fun! And because I find it terrible when some podcasts aren’t properly edited, it’s also a lot of work. The record for eliminating the word “um” is around 160 times in a single episode. Phew! Cutting out lip smacks, coughs, or crackling noises – because our guests tend to gesture enthusiastically and the microphone picks up all sorts of unintended sounds – is also quite time-consuming. But: it’s worth it!
Yes, there are some AI programs that can more or less handle this on their own and improve podcast quality by trimming and balancing, but they’re not good enough for my standards. There are still plenty of “ums” left on air afterward, and that annoys not only me but other listeners too. But who are they, actually? I know who I personally pressure into listening to my podcast (friends, relatives, colleagues), but who else tunes in? Are they all the friends, relatives, and colleagues of our guests? Hardcore literature fans? Podcast nerds? Or people who, like me, enjoy listening while doing the dishes or cleaning and like to be told something smart?
There are statistics that tell you what kind of listeners you usually have. For “Let’s book,” they are mostly women between 35 and 45 from Austria, Germany and Vietnam. Yes, you read that right! And no, I have no idea who in Vietnam tunes in to listen to German-language book podcasts… Maybe people in Vietnam also have a lot of dishes to wash, and a few bookworms there – like me – don’t own a dishwasher.
Whether it’s “eat.READ.sleep” by NDR, the Falter podcast “Besser lesen” with my very dear and clever author colleague Petra Hartlieb, or the very personal “Vroni&Moni”–there’s a podcast for every book lover. So: tune in! Listen! And dive into the world behind the books!
