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Wiebke Lorenz: „Voll im falschen Film“

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Buch Literatur

Von Barbara Hoppe – Wiebke Lorenz legt mit Voll im falschen Film“ einen Roman vor, der einen von der ersten Seite an packt: Er ist ein bitterkomischer, gnadenloser Absturzbericht mit Thriller-Tempo.

Da wäre: die Ich-Erzählerin Nora Stern. Schauspielerin, geschiedene Mutter von zwei reizenden siebenjährigen Zwillingen und seit drei Jahren trocken. Eine Frau, die sich mühsam zurück ins Leben gearbeitet und es als Publikumsliebling aus Vorabendserien und heiteren Filmen in die Herzen der über 70-jährigen geschafft hat. Dann wird sie eines Tages niedergeschlagen, wacht in einem Partykeller auf und wird in die Sucht zurückkatapultiert: Denn neben einem üppigen Büffet gibt es literweise Alkohol – sonst nichts. Dass Nora rückfällig wird, ist so klar wie das Amen in der Kirche. Die Entführung endet so plötzlich wie sie begann. Und Nora landet in einem Alptraum. Abhängig in einer Spirale aus Scham, Kontrollverlust und Angst – und völlig ratlos, warum und wieso ihr jemand das angetan hat.

Es ist der Startschuss zu einer Jagd, die süchtiger macht als jeder Cocktail. Nora muss trocken werden, und zwar schnell: Dreharbeiten stehen an, der Sorgerechtsstreit droht zu eskalieren, und draußen scheint jemand ein perfides Spiel mit ihr zu treiben. Doch wem kann sie trauen? Renate, ihr Engel aus der Selbsthilfegruppe, die selbstlos an ihrer Seite steht? David, der Drehbuchautor, der in sie verliebt ist? Was ist mit ihrem Ex-Mann und seiner neuen Frau, was mit der ehemals besten Freundin? Die Hinweise sind spärlich, jede Erschütterung, manchmal nur ein Halbsatz, das Kind, dass zur Stiefmutter „Mami“ sagt, bedeutet einen neuen Absturz in die Sucht. Nora trinkt nicht. Sie säuft.

Wiebke Lorenz Voll im falschen Film
Cover: Pendragon Verlag

Zwischen Drama und Komödie

Wiebke Lorenz zeigt Alkoholismus als eine Form von Fremdbestimmung, die den Menschen nicht nur schwächt, sondern vor allem sein Selbstbild systematisch zerfrisst und die Selbstachtung nimmt. Hier wird Sucht nicht beschrieben, hier wird sie erlebbar. Das Ergebnis ist eine Geschichte wie ein Rausch: atemlos, schmerzhaft und dabei keineswegs platt. Wer hier nur die nächste Thriller-Maschine erwartet, unterschätzt den Roman; wer einen pädagogisch abgefederten Suchtbericht sucht, ebenfalls. Lorenz erzählt stattdessen mit schwarzem Humor und ohne falsche Schonung. Schnell, sarkastisch, knapp auf den Punkt, oft mit einem lakonischen Unterton, der den Schrecken gnadenlos offenlegt. Und dann die entscheidende Frage: Kann sich Nora selbst noch trauen? Was ist real? Was ist Einbildung? Dass Wiebke Lorenz dabei die Film- und Krimibranche immer wieder augenzwinkernd aufs Korn nimmt, ist ein Kniff, der dem Drama einen Twist gibt, den jeder Leser kennt, der auch nur mit halben Blick auf Fernsehunterhaltung und Boulevardpresse schielt. „Voll im falschen Film“ ist Drama, Krimi und Komödie zugleich. Und der Leser weiß nie genau, was als Nächstes kommt – und will trotzdem nicht, dass es aufhört.

Bei Verwendung des Textes bitte Quelle angeben bzw. verlinken.

Wiebke LorenzVoll im falschen Film
Ein nüchterner Roman
Pendragon Verlag,
Bielefeld 2026
bei amazon
bei Thalia

Das Wichtigste in Kürze

  • Bitterkomischer Absturz mit Thriller‑Tempo
  • Alkoholismus als gnadenlose Selbstzerstörung
  • Sarkastischer Stil zwischen Drama und Komödie

Wiebke Lorenz: ‘Totally in the wrong film’

Wiebke Lorenz’s novel Voll im falschen Film grips from the first page. Actress Nora Stern, divorced mother and sober for three years, is kidnapped and locked in a party cellar filled with alcohol. The relapse is inevitable. What follows is a nightmare of shame, loss of control, and fear. Nora must get sober again while facing film shoots and a custody battle. But whom can she trust – Renate from her support group, David the screenwriter, or her ex‑husband? Every hint triggers another fall.

Lorenz portrays alcoholism as a form of alienation that destroys self‑image and dignity. She doesn’t describe addiction; she makes it tangible. Her style is fast, sarcastic, and sharp – darkly humorous yet unsparing. The novel blends drama, crime, and comedy, a rush of pain and pace. Lorenz wittily targets the film and media world while asking: What is real, what illusion? Voll im falschen Film becomes a merciless account of collapse, blurring the line between reality and performance.

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