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„Internationale Zone“: Wien im Schatten der Besatzung

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Buch Literatur

Von Barbara Hoppe.

Wer denkt, Wien sei wahlweises Sachertorte, Walzerseligkeit oder „Der dritte Mann“, dem sei „Internationale Zone“ von Milo Dor und Reinhard Federmann ans Herz gelegt. Ein Klassiker aus dem Picus Verlag, der uns direkt ins pulsierende, zerrissene Nachkriegs-Wien katapultiert. Keine kitschigen Postkartenbilder – hier geht es um die Schattenseiten, um jene, die in den Trümmern des Krieges die ersten Gewinner sein wollten. Und ja, es ist richtig, der Roman fand seine Inspiration im „Dritten Mann“, und das ist auch völlig in Ordnung. Denn es ist eben doch nur Inspiration. Was die Autoren Milo Dor und Reinhard Federmann schließlich zu Papier brachten, ist ein Hard-boiled-Krimi auf Wienerisch, mit allerlei zwielichtigen Gestalten und niemandem, den man wirklich gern hat.

Im Strudel des schnellen Geldes

Worum es geht? Natürlich um Geld. Und um Macht in einer Gesellschaft, die im von den Alliierten besetzten Wien völlig unübersichtlich und in weiten Teilen ungeregelt sich selbst überlassen ist. Diese Nachkriegszeit, geprägt von Zerstörung und Entbehrung, brachte eine Menge halbseidene Figuren hervor: Schieber, Schwarzhändler und sonstige Gestalten der Unterwelt. Sie sind es, die sich im noch instabilen System des geteilten Wiens am besten zurechtfinden, instinktiv erfassen, mit welcher Besatzungsmacht welche Geschäfte zu verhandeln sind. Vom anfänglichen Handel und Schmuggel mit Zigaretten – dem wohl omnipräsentesten Zahlungsmittel jener Tage – geraten sie fast zwangsläufig in das gefährliche Spiel der Spionage und schließlich des Menschenraubs. Die sowjetischen Besatzer agieren dabei als aktive Komplizen bei der Beschaffung des Schmuggelguts; die erwartete Gegenleistung? Die Auslieferung von „Feinden der Sowjetunion“, die sich in den nicht-sowjetischen Sektoren in Sicherheit wähnen.

Zwischen Schmuggel und Verrat

Unter den geschickten Ganoven ist auch Georges Maine, der seinen fragwürdigen Lebensunterhalt mit allerlei halb- bis illegalen Geschäften bestreitet. Er versteht es, das unsichere System – in dem niemand sicher sein kann, ob der Gegenüber ein Spion, ein Agent oder lediglich ein Opportunist ist – virtuos zu seinem Vorteil zu nutzen, wenngleich die kleinste Unachtsamkeit ins Verderben führen kann.

Was sich in „Internationale Zone“ entfaltet, ist eine packende Erzählung um Zigarettenschmuggel, Menschenraub und finstere Machenschaften. Eine Erzählung, deren Handlungsstränge keineswegs überkonstruiert sind. Dor und Federmann lasen die damals in Wien erscheinende Arbeiter-Zeitung sehr genau – und fanden zahlreiche Artikel über spektakuläre Entführungen wie Günther Stocker in seinem erhellenden Nachwort erläutert. Da dieses allerdings auf einen Artikel aus dem Jahr 2010 basiert, klafft eine Lücke in dem sonst sehr kenntnisreichen Text: In die Reihe der sehr übersichtlichen Romane, die sich mit der zehnjährigen Besatzungszeit der Alliierten in Wien beschäftigen, fehlt beispielsweise das 2018 erschienene Gangster-Epos „Schwere Knochen“ von David Schalko.

Internationale Zone Picus Verlag Cover
Cover: Picus Verlag

Ein Stück lebendige Zeitgeschichte

Milo Dor und Reinhard Federmann schufen mit „Internationale Zone“ ein faszinierendes Stück Zeitgeschichte mit viel Zeitkolorit. Die Autoren verstehen es meisterhaft, die Atmosphäre des geteilten Wiens einzufangen. Ihr Tonfall ist trocken und illusionslos. Man spürt die Verzweiflung, die Gier und die brutale Pragmatik dieser Ära in jeder Zeile. Dor und Federmann zeichnen ihre atemlosen Jäger des schnellen Geldes so präzise nach, dass man den Dunst illegal gebrannten Hochprozentigen und den beißenden Geruch von Zigarettenrauch förmlich in der Nase spürt.

Milo Dor / Reinhard FedermannInternationale Zone
Picus Verlag,
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Das Wichtigste in Kürze

  • Dichtes Kolorit des geteilten Wien
  • Lakonischer Hard-boiled-Ton
  • Schmuggel, Spionage und Menschenraub

‘Internationale Zone“ (International Zone’:) Vienna in the shadow of the occupation

Internationale Zone by Milo Dor and Reinhard Federmann takes readers to a Vienna far removed from Sachertorte, waltz nostalgia and tourist postcards. The novel presents the Austrian capital as a fractured place in the early post-war years: divided into occupation zones and shaped by poverty, uncertainty and a new, ruthless economy.

At its centre are smugglers, black marketeers and other underworld figures who recognise opportunity in the chaos of the post-war period. Cigarettes serve as the hardest currency; smuggling becomes the gateway to a more dangerous world of espionage, betrayal and kidnapping. The Soviet occupiers appear not merely as a political force, but as accomplices in a system that trades people for goods and intelligence.

Georges Maine also understands the rules of this milieu. He survives through semi-legal and illegal deals, exploiting the confusion of the divided city. Yet one careless move can prove fatal.

Dor and Federmann combine the toughness of hard-boiled crime fiction with acute historical observation. Their prose is dry, sober and free of illusion. The result is a novel that makes the smell of spirits, cigarette smoke and moral decay almost physically tangible.

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