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Agatha Christies „Mausefalle“ als Bühnenwunder

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Von Barbara Hoppe.

Seit 24 Jahren zieht sie Abend für Abend Krimifreunde ins Berliner Kriminal Theater: Agatha Christies legendäre „Mausefalle“. Ein Stück, das in London seit 73 Jahren ohne Unterbrechung gespielt wird und bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat. In Deutschland hat sich das Berliner Kriminal Theater mit seiner eigenen Inszenierung ein Denkmal gesetzt. Seit 2001 fesselt dort das Stück in mehr als 1.400 Aufführungen das Publikum, ein Ende ist nicht in Sicht. „Solange Zuschauer kommen, spielen wir sie weiter“, sagt Wolfgang Rumpf, Regisseur der Berliner Inszenierung, „und ob wir 73 Jahre schaffen oder noch mehr, wird man dann einfach sehen“, lacht er. Extra beworben werden müsse es jedenfalls nicht mehr. „Die Mausefalle“ sei ein Selbstläufer, erklärt Rumpf. Viel eher denke er wegen der vielen internationalen Berlinbesucher darüber nach, eines Tages eventuell auch eine englischsprachige Fassung aufzuführen. Doch was ist es, was „Die Mausefalle“ so einzigartig macht?

Spiel mit dem Publikum

Die Geschichte folgt, wie immer bei Agatha Christie, dem klassischen Whodunit-Prinzip. Ein abgeschiedenes Landhaus, ein Schneesturm, eine Gruppe Fremder – und ein Mörder unter ihnen. Whodunit – wer hat es getan? Jeder hat ein Geheimnis, jeder könnte der Täter sein. Das Publikum folgt den vielen Wendungen, fiebert und rätselt mit bis zur überraschenden Auflösung. „Das Mitraten ist ein essenzieller Bestandteil des Stücks“, erläutert der Regisseur. „Am Ende bitten wir die Zuschauer, den Mörder nicht zu verraten, damit auch andere den gleichen Nervenkitzel erleben können.“

Von der Queen zur Kultbühne

Ein wesentlicher Faktor dabei ist sicherlich, dass im Gegensatz zu vielen anderen Kriminalromanen von Agatha Christie „Die Mausefalle“ nie verfilmt wurde und sich des Rätsels Lösung somit medial nicht ungebremst verbreiten konnte. Doch das ist nur ein Baustein auf dem Weg zum Kultphänomen. Denn die Geschichte des berühmten Theaterkrimis beginnt viel früher, im Jahr 1947 mit einem Hörspiel für die BBC. Das hatte sich Queen Mary, Großmutter von Queen Elisabeth, zu ihrem 80. Geburtstag gewünscht. Agatha Christie schrieb daraufhin das 20-minütige Radiostück „Three Blind Mice“ und schuf damit die Ur-Geschichte um das eingeschneite Gästehaus, in dem ein Mörder sein Unwesen treibt.

Kurz darauf entwickelte sie daraus ein Theaterstück, das sie „Die Mausefalle“ nannte. Am 25. November 1952 feierte es Premiere im St. Martin Theatre im Londoner West End. Seitdem zeigt das Theater das Stück jeden Abend. Erst, wenn es eine Pause von drei Monaten gibt, dürfe es verfilmt werden, verfügte die Krimiautorin. Die Filmrechte seien auch verkauft, weiß Wolfgang Rumpf zu berichten. Aber wahrscheinlich, so schmunzelt er, sei der Käufer über die Jahre längst gestorben.

Frischer Wind aus Berlin

Während die Londoner Urinszenierung des Stücks seit 1952 nahezu unverändert gespielt wird, hat Wolfgang Rumpf seiner Berliner Version einen eigenen Anstrich gegeben. Natürlich kennt er die Inszenierung in der britischen Hauptstadt, aber die sei ihm doch etwas zu antiquiert. „Es ist ein bisschen ein Theatermuseum, was dort läuft“, findet er. So, wie es bereits vor 73 Jahren schon lief, so laufe es dort immer noch weiter. Wolfgang Rumpf hat frischen Wind in seine Inszenierung gebracht. „Ich habe einiges verändert, besonders am Schluss“, erzählt er. „Bei mir fällt ein Schuss, den es bei Christie nicht gibt,“ und ergänzt: „Wichtig war mir, die Figuren wirklich auszuloten. Es geht darum, den sozialen Gestus jeder Figur zu finden.“

Perfekt besetzt, immer neu

Dasselbe, aber irgendwie anders und dabei doch immer wieder gleich? So simpel ist es nicht. „In den 24 Jahren haben wir um die 130 Schauspieler für die acht Rollen besetzt“, berichtet Rumpf. Und das erfordere auch immer wieder Proben, um die neuen Kollegen einzuarbeiten. Trotz oder auch gerade wegen der langen Laufzeit und wechselnden Schauspieler entstehe also keine Routine, stattdessen dominiere Professionalität. „Es läuft sehr diszipliniert nach einem Muster ab, aber es lebt von den Darstellern, die ihre eigene Interpretation einbringen“, betont der Regisseur.

Das Geheimnis der „Mausefalle“

Liegt der Erfolg der „Mausefalle“ also in der Nostalgie, im klassischen Krimiplot und in der raffinierten Erzählweise von Agatha Christie? Für Wolfgang Rumpf ist es die perfekte Mischung aus Spannung und Theatralik. „Es gibt keine großen Effekte, keine aufwendigen Kulissen – das Stück lebt von seinen Figuren und ihrer Psychologie“, sagt er. Ein Krimi ohne Spezialeffekte, der allein durch seine Erzählkraft fesselt – das ist wohl das wahre Geheimnis der „Mausefalle“.

Berliner Kriminal Theater
Palisadenstraße 48
10243 Berlin
 

Dieser Artikel erschien ebenfalls in der Sonderbeilage „25 Jahre Berliner Kriminal Theater“ der Berliner Morgenpost, April 2025.

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Agatha Christie’s ‘Mousetrap’ as a stage miracle

For 24 years, Agatha Christie’s The Mousetrap has captivated audiences at Berlin’s Kriminal Theater. In London, it’s been running since 1952. Director Wolfgang Rumpf has given the Berlin production a unique twist—more psychological depth, a changed ending, and contemporary pace.

The classic setup remains: a remote guesthouse, a snowstorm, a murder. Viewers are drawn into the suspense, guessing until the final reveal. Never filmed, The Mousetrap continues as a live-only mystery—just as Christie intended.

Originally written as a BBC radio play for Queen Mary’s birthday, the story later became a stage legend. With over 1,400 performances and around 130 actors cast, Berlin’s version evolves while staying true to its roots.

What keeps it fresh? The perfect mix of tension, character work, and theatrical storytelling—no special effects, just gripping drama.

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