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Feuilletonscout

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„Das Mädchen“

Eine Kurzgeschichte
von Stephan Reimertz

 

Das Hotel war an der Place Dauphine. Ich zahlte für eine Woche im Voraus. Am Abend ging ich durch die Stadt, dachte an meine Jugend und kaufte mir eine Flasche Rotwein, Käse und ein Baguette. Ich ging hinunter zur Spitze der Insel, setzte mich zu den jungen Leuten auf die Steine und schaute den Fluss hinunter. Schiffe mit Touristen fuhren vorbei. Wasser schwappte. Ein paar Jugendliche hatten ein Radio mitgebracht und tanzten. Andere saßen da und rauchten.

»Es ist wie auf einem Boot«, sagte ein Mädchen. Ich drehte mich um. Sie gefiel mir. Mit so einem Mädchen war ich vor langer Zeit zusammen gewesen.

»Haben Sie eine Zigarette?«

»Nein«, sagte ich und goss ihr Wein in den Plastikbecher. Sie rückte näher.

»Sind Sie aus den Staaten?« fragte sie.

»Aus Wisconsin.«

»Wie meine Mutter.«

»Und Ihr Vater?«

»Hab ich nicht gekannt.«

»Das tut mir leid.«

»Nicht Ihre Schuld.«

Sie erzählte von ihrer Mutter und ihrer Großmutter, ihrerWeiterlesen »„Das Mädchen“

Neu im Kino: „Den Menschen so fern“

Neu im Kino: „Den Menschen so fern“

Neu im Kino: „Den Menschen so fern“Algerien 1954. Daru lebt als Lehrer in einer einsamen Gegend. Er unterrichtet die armen Kinder der Umgebung. Das eremitische Dasein wird gestört, als ein Gendarm auftaucht, der einen Gefangenen bei sich führt. Bauer Mohammed ist wegen Mordes verurteilt und soll in der Stadt hingerichtet werden. Doch vor der dem Hintergrund des aufkommenden Algerienkrieges und den ersten Rebellionen hat der Gesetzeshüter keine Zeit, den Verurteilten zu überstellen. Daru muss diese Aufgabe übernehmen. Gemeinsam mit Mohammed macht er sich auf den gefährlichen Weg über das Atlasgebirge. Es ist Winter, sehr kalt und schon baldWeiterlesen »Neu im Kino: „Den Menschen so fern“

Ein Moment mit … dem Künstler Heiko Westphalen

Ein Moment mit ... dem Künstler Heiko Westphalen„… ist es Kunst oder doch Malerei- oder Druckgrafik?“, fragt Heiko Westphalen auf seiner Homepage. Der Künstler mag es, den Blick des Betrachters zu weiten, Raum für Interpretation zu geben. Weit gereist, lebt Heiko Westphalen heute in Flensburg, liebt die Motivvielfalt der norddeutschen Landschaft. Aus seinen Fotos entstehen Werke, die wie gemalt wirken.

Feuilletonscout: Betrachtet man Ihre Bilder, fragt man sich häufig: Ist es ein Foto oder nicht vielleicht doch gemalt? Lieben Sie es, mit der Täuschung zu spielen und Menschen herauszufordern?
Heiko Westphalen: Das Foto steht in den meisten Fällen im Vordergrund. Sieht man die Täuschung nicht im negativen Sinne, so verstehe ich diese Art der Irreführung eher als eine Bereicherung für den Betrachter. Jedes Bild erzählt seine eigene Geschichte und sollte Neugierde im Anschauenden erwecken. So kann jedes Bild individuell interpretiert werden.

Feuilletonscout: Wie würden Sie selbst Ihre Kunst beschreiben?
Heiko Westphalen: Schon von jeher haben mich unterschiedliche Drucktechniken, auch in Verbindung mit der Kunst, interessiert und begeistert. Als gelernter Schriftsetzer (Bleisatz), war es nicht unüblich, z. B. für die Gestaltung einer Drucksache, auch den Linolschnitt mit einzubeziehen. In meiner, nenne ich es einmal die Berliner Zeit, habe ich mich mit einem Freund gemeinsam in der Radiertechnik versucht. Aus diesem Mix entstehen, verbunden mit einer Prise Weiterlesen »Ein Moment mit … dem Künstler Heiko Westphalen

„Binoculers“ mit neuem Album „Adopted to Both Shade and Sun“ auf Tournee

„Binoculers“ mit neuem Album „Adopted to Both Shade and Sun“ auf Tournee

Binoculers haben Konzerterfahrung. Viel Konzerterfahrung. Als Nadja Rüdebüsch, 35 Jahre, 2007 ihr Projekt startete, hatte sie nicht nur mehr als 10 Jahre Gesangserfahrung, sondern auch fast jährlich an die 100 Konzerte hinter sich. Mit Daniel Gädicke, ihrem Musik- und Lebenspartner, gründete sie dann das Label… Weiterlesen »„Binoculers“ mit neuem Album „Adopted to Both Shade and Sun“ auf Tournee

„Stadt, Land, Garten. Zur Kulturgeschichte des Nutzgartens“. Ausstellung in Bergisch Gladbach

„Stadt, Land, Garten. Zur Kulturgeschichte des Nutzgartens“. Ausstellung in Bergisch Gladbach
Pfirsichernte in Solingen um 1930 / Privatfotografie / © LVR-Industriemuseum

Ein Häuschen mit Garten… Was heute ein Zeichen von Wohlstand und Bürgerlichkeit ist, war in der Vergangenheit überlebenswichtig: der Garten. Bereits früh nutzten die Menschen ihn, um eigenes Obst und Gemüse anzubauen – unverzichtbar bei der prekären Versorgungslage und oft die einzige Möglichkeit, durch Konservieren und Einlagern von Obst und Gemüse die Winter zu überstehen.

Mit dem Einzug der Industrialisierung erfuhr der Garten nach 1850 einen Bedeutungswandel. Das Arbeiten in der Natur, gärtnern, galt als gesunder Ausgleich für die Arbeiter. Er bot ihnen die Möglichkeit, die knappe Freizeit im Grünen zu verbringen und selbständige Arbeit zu verrichten. Kommunen und Weiterlesen »„Stadt, Land, Garten. Zur Kulturgeschichte des Nutzgartens“. Ausstellung in Bergisch Gladbach

Neu im Kino: „Ich seh ich seh“

Neu im Kino: „Ich seh ich seh“

Neu im Kino: „Ich seh ich seh“Als die Mutter der Zwillinge Lukas und Elias nach einer Schönheitsoperation nach Hause zurückkommt, sind die beiden zehnjährigen Jungen überzeugt, eine Fremde vor sich zu haben. Nicht nur ist das vertraute Gesicht hinter Bandagen versteckt, auch erinnert sich die Frau vor ihnen an keinerlei gemeinsame Erlebnisse, wirkt fremd und geht auf Abstand. Die liebevolle Vertrautheit aus früheren Tagen ist verschwunden.

Lukas und Elias bekommen Angst. Tut diese Frau nur, als sei sie ihre Mutter, ist aber in Wahrheit jemand ganz anderes? Die ZwillingeWeiterlesen »Neu im Kino: „Ich seh ich seh“

Ludwigsburger Schlossfestspiele. Ein hochkarätiges Programm noch bis Ende September

Sie begannen 1932 noch sehr bescheiden, die Ludwigsburger Schlossfestspiele, mit einigen wenigen Kammerkonzerten. Erst unter der langjährigen künstlerischen Leitung von Wolfgang Gönnenwein (1972–2004) entwickelten sie sich zu einem internationalen Festival, das inzwischen mit rund 100 Veranstaltungen in drei Monaten das „Ländle“ verzaubert. Stars wie Laurie… Weiterlesen »Ludwigsburger Schlossfestspiele. Ein hochkarätiges Programm noch bis Ende September