An diesem Ort liegen sie alle, seit Kaiserin Anna hier 1618 zur letzten Ruhe gebettet wurde, gefolgt von ihrem Mann Matthias ein Jahr später: In der Kapuzinergruft im Herzen der Wiener Altstadt, mitten im ersten Bezirk, versammeln sich nach ihrem Tod die Persönlichkeiten des Hauses Habsburg und Habsburg-Lothringen. Zuletzt fand Kronprinz Otto, Sohn von Kaiser Karl I. und Kaiserin Zitat, 2011 Eingang in die Kaisergruft, wo die Gebeine der Adeligen bestattet sind. Die Herzen kamen, aufbewahrt in silbernen Bechern, in die Herzlgruft von St. Augustin, die Eingeweide wurden in kupfernen Urnen in der Herzogsgruft zu St. Stephan beigesetzt.
Wer also die Wiener Gruft betritt, besucht einen Friedhof. Aber was für einen! Seite an Seite stehen prächtige Sarkophage, reich verziert, das Leben und Wirken des Verstorbenen widerspiegelnd, die Symbolik des Todes aufgreifend, die Pracht des Weiterlesen »!Tipp: Die Kaisergruft (Kapuzinergruft) in Wien
Fremdschämen ist eine merkwürdige Angelegenheit. Da sagt und tut jemand etwas, und man selbst schämt sich in Grund und Boden, so peinlich ist der andere. Dabei könnte es uns völlig gleichgültig sein, was dieser jemand sagt oder tut, kennen wir ihn doch meistens nicht und haben auch sonst nichts mit ihm zu tun. Noch kurioser wird es, wenn sich dieses Phänomen auf eine literarische Figur bezieht. Man liest ein Buch und bekommt vor lauter Scham fast einen roten Kopf.
Ein Loser, der das Herz erwärmt
So geht es einem mit Kress. Kress ist Student der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. 12. Semester. Er ist natürlich belesener als seine Kommilitonen, intelligenter, charmanter, höflicher. Während um ihn herum nur Mittelmaß, Small Talk und Belanglosigkeit herrschen, beschäftig sich Kress mit den philosophischen Fragen des Lebens. In seiner Weiterlesen »Literatur: Aljoscha Brell: „Kress“
Rezension von Barbara Hoppe „Sie treffen: Anna, in ihrem Beruf nennt sie sich Sarina von Maltig, auffallendes Merkmal sind ihre hennarot gefärbten, krausen Haare. Martin, seine Haarfarbe ist ungewiss braun. „Die Frau auf dem Fahrrad“, sie heißt Frau Schneider, mit dem Rufnamen Liese, und hat… Weiterlesen »Literatur: Franziska Berge „Septembertage oder die Jagd nach den Abgründen“
Er denkt Gesellschaftspolitisches radikal zu Ende, deckt das Skandalöse oder Widersprüchliche darin auf und spricht es auch aus. Hinter dem wunderschönen Programmtitel „Liebe“ verbirgt sich messerscharfe Kritik an allen großen Themen unserer Zeit: Religion, Massenmedien, Kapitalismus, Konsumismus, Massentierhaltung, Islamfeindlichkeit oder auch Globalisierung. Der Zuhörer lacht – und gleichzeitig bleibt ihm dieses Lachen im Halse stecken, zu tief geht die darin liegende Wahrheit, zu absurd klingt das Gesagte.Weiterlesen »!Tipp: Kabarettist Hagen Rether mit „Liebe“
Wer bei diesem Titel ein reißerisches Skandalbuch erwartet, der wird enttäuscht. Aber ein solcher Stil würde zum Autor des schmalen Büchleins auch schwerlich passen: Seit 2006 Professor für Kirchen- und Theologiegeschichte an der Marquette University in Milwaukee, gehört zu den Forschungsgebieten von Ulrich L. Lehner die frühneuzeitliche Geschichte Mitteleuropas und die europäische Religionsgeschichte. Und dies auf akademische, nicht marktschreierische Art. (Was durchaus mit einschließen darf, dass 2011 sein Buch „Enlightened Monks“ mit dem Shea Preis der amerikanischen Historiker als „bestes und originellstes Buch zur Geschichte des Katholizismus“ ausgezeichnet wurde.)
Ein Buch, das es eigentlich nicht hätte geben sollen
Geplant, so heißt es bei Lehner im Vorwort, sei das Buch nicht gewesen. Erst als er bei Recherchen zu einem Band über die Geschichte des Benediktinerordens während der Aufklärungszeit über zahlreiche Anzeichen, Bemerkungen und Fälle gestoßen sei, die darauf hinwiesen, dass auch in Klöstern Missbrauch, Ausschweifungen und sogar Kapitalverbrechen vorkamen, habe er tiefer gegraben, bis Weiterlesen »!Tipp: Ulrich L. Lehner „Mönche und Nonnen im Klosterkerker. Ein verdrängtes Kapitel Kirchengeschichte“
Zunächst vorweg: Wer Haruki Murakami liebt, liebt ihn. Wann bekommt dieser Mann endlich den Literaturnobelpreis? Immerhin gilt er jedes Jahr als Favorit, und jedes Mal bekommt ihn ein anderer.
Ich bin ein Fan dieses japanischen Autors, und so hielt ich auch gespannt die jüngste deutsche Übersetzung in den Händen. Zwei Kurzromane in einem Band, die eigentlich Murakamis Erstlinge sind und nun nach 35 Jahren –endlich – auf Deutsch vorliegen.
Allein die Entstehungsgeschichte dieser beiden dünnen Werke ist ein Roman wert. Glaubt man dem 2014 verfassten Vorwort des Autors, so war es im Jahr 1974, als Murakami eine Jazzbar besaß und seine Nächte dort verbrachte. Bis er eines Tages aus der Ferne, auf einer grünen Wiese sitzend, ein Baseballspiel beobachtete. Aus heiterem Himmel wusste er: Er muss einen Roman schreiben.
Wer ins Friesenmuseum in Wyk auf Föhr möchte, muss erst einmal durch ein großes Tor aus Blauwalunterkieferknochen hindurch. Dahinter befindet sich – eingebettet in eine wunderschöne kleine Parkanlage – ein kleines Freilichtmuseum, das den Besucher auf vergangene Zeiten einstimmt. Hier steht das älteste Haus Föhrs, das 1617 erbaut und 1927 aus Alkersum hierher versetzt wurde. Dahinter steht eine Bockwindmühle von der Hallig Langeneß und eine landwirtschaftliche Scheune aus dem Dorf Midlum. Nur eine Randbemerkung, aber besonders reizvoll: die großzügige Spende eines Rosengartens mit über 100 seltenen und alten Rosenarten.
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