Wer ins Friesenmuseum in Wyk auf Föhr möchte, muss erst einmal durch ein großes Tor aus Blauwalunterkieferknochen hindurch. Dahinter befindet sich – eingebettet in eine wunderschöne kleine Parkanlage – ein kleines Freilichtmuseum, das den Besucher auf vergangene Zeiten einstimmt. Hier steht das älteste Haus Föhrs, das 1617 erbaut und 1927 aus Alkersum hierher versetzt wurde. Dahinter steht eine Bockwindmühle von der Hallig Langeneß und eine landwirtschaftliche Scheune aus dem Dorf Midlum. Nur eine Randbemerkung, aber besonders reizvoll: die großzügige Spende eines Rosengartens mit über 100 seltenen und alten Rosenarten.
Wir treffen uns morgens um halb neun, natürlich im Wedding. Beim „Knusperbäcker“ direkt am U-Bahnhof Amrumer Straße. Eine Bäckerei mit ein paar Tischen und viel Herzlichkeit.
Feuilletonscout: „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“ wird in diesem Jahr elf Jahre alt. Hast du manchmal Angst, irgendwann die Lust am Wedding zu verlieren? Oliver Tautorat: Am Wedding: nie. An „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“ auch nicht. Ich habe jetzt ja schon fast 2000 Vorstellungen gespielt, bin fast bei jeder Folge dabei. So lange unsere Gäste kommen und vielfältig bleiben, ist es spannend. Es ist wie ein Spiegelbild von draußen. Das ist schön. Und obwohl ich gerade Urlaub habe, war ich kürzlich im Theater und habe eine Show anmoderiert. Dabei habe ich wieder gesehen, was für ein tolles Publikum bei uns ist. Das gibt mir unheimlich viel Kraft, Energie und Ideen. Was wir mit dem Theater erfunden haben ist einmalig. Es ist für mich genau das Richtige. Was anderes könnte ich gar nicht machen.
Feuilletonscout: Was macht das Besondere ausgerechnet des Wedding aus? Oliver Tautorat: Ich glaube, dass der Wedding noch einer der letzten Bezirke ist, der sich zwar entwickelt, gentrifiziert wird, aber vom Ursprung her immer noch sehr echt und total lebendig ist. So hart er ist, so ehrlich ist er auch. Das finde ich klasse.
Feuilletonscout: Bist du hier geboren? Oliver Tautorat: Nein. Meine Mutter ist Griechin, mein Vater kommt aus Norddeutschland und ich selbst bin in Würzburg geboren. Seit ungefähr 12 Jahren bin ich jetzt in Berlin und bin hier auch mehrfach um-, aber nie aus dem Wedding herausgezogen. Ich habe ihn als meine Heimat entdeckt. Als Halbgrieche gefällt es mir sehr, die Kultur hier ist wirklich lebendig. Ich fühle mich im Wedding richtig, richtig wohl. Ich mag die Ehrlichkeit und Direktheit.
Feuilletonscout: „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“ ist die erste und einzige Bühnensitcom weltweit. Wie kam es zu dieser Idee? Oliver Tautorat: Es ist wirklich erstaunlich. Nur Danny de Vito hat mal so etwas Ähnliches gemacht, allerdings zeitlich begrenzt. So, wie wir es machen, ist die Bühnensitcom wirklich einmalig. Wir kamen dazu sehr unschuldig. Als wir damals nach Berlin zogen, waren wir sehr serienaffin, „Friends“ gehörte bei uns zum Standardfernsehprogramm. Und obwohl wir beide schauspielern wollten, haben wir schnell festgestellt, dass die deutsche Bühnenlandschaft nicht so das Richtige für uns ist. Unsere Sitcom starteten wir zunächst ganz harmlos mit einer Folge. Wir haben uns einen Probenraum gesucht und haben ihn damit finanziert, dass wir dort auch gleich spielten. Dann haben wir festgestellt, dass wir, um die Leute auf uns aufmerksam zu machen, in den Veranstaltungskalendern der Stadtmagazinen sein müssen. Und die brauchen das Programm immer 10 -14 Tage vorher. Also haben wir mit Folgen angefangen, haben wöchentlich gespielt und das hat sich ganz schnell herumgesprochen. Wir waren mit unseren 30 Plätzen immer ausverkauft.
Foto: prime time theater
Feuilletonscout: Hast du je damit gerechnet, dass ihr damit so erfolgreich werdet? Oliver Tautorat: Überhaupt nicht. Es ist immer noch so, dass, wenn ich darüber nachdenke, wo wir – auch als von Senat gefördertes Theater – jetzt stehen, kaum glauben kann. Wenn ich abends ins Theater komme und schon von weitem die Leute warten sehe, denke ich immer noch: Es ist wirklich unglaublich. Ich bin nicht satt, zu sehen, dass es verrückt schön ist, dass es so ist. Berlin ist eine so große Stadt mit so vielen Theatern, da ist es toll, dass Gäste zu uns kommen. Und ich kann fast 20 Menschen mit dem Theater eine Existenz sichern.
Sie ziehen sich schön an und schwofen am Nachmittag, bei Tanztees in Pariser Clubs, die „Memphis“ oder „Chalet du lac“ heißen. Sie, das sind Senioren wie Eugène, Gino, Christiane und ihre Freunde, die sich im schummrigen Dämmerlicht näherkommen, flirten, auf der Suche nach Nähe und der Hoffnung, vielleicht doch noch einen Partner auf die späten Tage zu finden. Oder aber auch – gar nicht anrüchig – als „Taxiboy“ gegen Bezahlung die Damen aufs Parkett führen.Weiterlesen »Neu im Kino: „Parcours d’amour“
Sie gilt als die älteste Lesebühne der Welt und trotzt seit 20 Jahren ohne Unterbrechung am Sonntagabend dem „Tatort“-Deutschland: Die Reformbühne Heim & Welt. Hier las auch Wladimir Kaminer, als man noch ins „Kaffee Burger“ pilgerte, und er liest auch heute noch von Zeit zu Zeit in seiner alten Wirkungsstätte. Derzeit heißt das Stammpersonal Ahne, Uli Hannemann, Jakob Hein, Falko Hennig, Heiko Werning und Jürgen Witte, immer wieder sind auch Gäste eingeladen. Gelesen werden kurze, nie länger als zehn Minuten dauernde Texte. Es geht auch nicht Weiterlesen »Feuilletonscout gratuliert: 20 Jahre Reformbühne Heim & Welt
Der Film beruht auf einer wahren Geschichte: Maria Altmann floh 1938 aus Österreich in die USA. Zurück ließ sie ihre Familie, die von den Nazis enteignet und in Konzentrationslagern ermordet wurde. Nach dem Krieg verbleiben aus diesem Besitz fünf wertvolle Jugendstil-Bilder Gustav Klimts, darunter auch „Die Goldene Adele“, die Marias Tante Adele zeigt, bei der Republik Österreich. Fast 60 Jahre hängt es danach als Hauptattraktion im Schloss Belvedere.
Ende der neunziger Jahre beschließt Maria Altmann, mit Hilfe des jungen amerikanischen Anwalts E. Randol Schoenberg (Ryan Reynolds) und des österreichischen Journalisten Hans Czernin (Daniel Brühl), das Gemälde zurückzufordern. Acht lange Weiterlesen »Neu im Kino: „Die Frau in Gold“
Marie Marcks (1922–2014), Alleinerziehende, o. J., Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst
Sie war eine Vorkämpferin für die Gleichstellung von Frauen, setzte sich mit spitzer Feder und beißendem Humor für Bildung, ein offenes soziales Klima und die Idee eines gemeinsamen und friedlichen Europas ein: Marie Marcks.
1922 in Berlin geboren, wächst sie mit Kunst auf und studiert noch während des Zweiten Weltkriegs Architektur in Berlin und Stuttgart. Mit 22 Jahren wird sie zum ersten Mal Mutter, fünf Kinder bekommt sie insgesamt, die sie überwiegend allein großzieht. Nach dem Krieg wird sie Gebrauchsgrafikerin in Heidelberg und entwirft Plakate.Weiterlesen »„Nichts gegen Männer … Karikaturen und Zeichnungen von Marie Marcks“. Ausstellung in Hannover
Dass der Tod zum Leben gehört, ist wirklich nichts Neues. In der westlichen Welt hat man bisweilen jedoch den Eindruck, dass dies gern verdrängt und, im Gegenteil, mit diversen Wässerchen, Cremes und Operationen versucht wird, ewige Jugend zu erhalten. Stirbt dann doch jemand, wird er allenfalls, und eher selten, aufgebahrt, aber eigentlich sind die Zurückgebliebenen froh, nicht mehr allzu lange mit dem Tod konfrontiert zu sein.
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